Dienstag, 2. Dezember 2008

Lange Nächte in Manila -Teil 2: Mt Pulag überlebt!


Nach der Rocknacht am Donnerstag gab ich mir am Freitag noch mal die volle Ladung: habe den Unterricht für die gesamte nächste Woche vorbereitet und bin 12 km gelaufen - um sicher zu stellen, dass ich auch auf jeden Fall die Nacht im Reisebus würde schlafen können.
Leider klappte das nicht so ganz, da der Sitz irgendwie komisch gestellt war und so dämmerte ich die 6 stündige Fahrt nur so vor mich hin. Gegen 4 Uhr morgens kamen wir in Baguio an und bei frischen Temperaturen klapperten wir müde mit unseren Beinen und Armen und warteten auf weitere Transportmöglichkeiten.
Wir - dass heißt eine Gruppe von 40 Personen, die während des Trips in 2 20er geteilt wurde - waren auf dem Weg den zweithöchsten Berg der Philippinen, Mt Pulag (2944 m) zu besteigen. Als Trinka mich vor einigen Wochen fragte, ob ich mitwolle, war von ihr und ihren Freunden die Rede. Eine Woche vor Reisebeginn waren es plötzlich 20 Leute - und eine religiöse Gruppe. Donnerstag erfuhren wir dann, dass wir Teil einer Gruppenreise sein würden, organisiert von der Sekte (?) born again... naja.. das konnte ja heiter werde!!!!
Jedenfalls kamen dann irgendwann zwei jeepähnliche Buss und wir quetschen uns und unser Gepäck mit Zelten und Schlafsäcken hinein. Holpernd ging es nun 2 oder 3 Stunden duch die Walachai und einigen wurde richtig schlecht. Wie bei Gruppenreisen üblich wurde auch an tollen Fotostellen gehalten: toooollll.....



Und auch gehalten um zu frühstücken: Reis mit Fleisch oder Reis mit Kohlsuppe... und auch gehalten um ein Video zu schauen, wie man sich auf Mt Pulag verhalten solle.. z. B. nicht laut schreien, nicht in die Büsche pinkeln und nicht im freien Sex haben. Das könne die Einheimischen erschrecken, die eine andere Kultur hätten. Ok... und wenn man in die Büsche pinkele solle man "Tabu Tabu po" sagen - eine Art Entschuldigung für die Berggeister. Ok...
Hier übrigens meine "peers": Sie fuhren teilweise auf dem Dach mit... ich nicht.. war zu müde, da ich ja im Bus kaum geschlafen hatte.. ich weiß - laaaangweilig!



Keine Ahnung wann die Treckingtour endlich losging.. ich glaube gegen 12 oder so. Ein paar Dinge lies ich in der Rangerstation, aber warme Pullis (alle, die ich aus Deutschland mitgebracht hatte) und Socken nahm ich mit. Schließlich erwarteten wir kühles Wetter auf dem Gipfel.
Die erste Strecke verlief sehr einfach und wir bestaunten das Moos (?) auf den Bäumen, welches die Landschaft manchmal richtig unheimlich aussehen ließ:



Auch wenn es von Anfang an leicht nieselte waren wir bei guter Stimmung... NOCH! ...
Das änderte sich in dem Augenblick, als wir 2 Stunden vorm Gipfel entfernt unser Lager für die Nacht aufschlagen mussten. Es regnete, stürmte und war so eiskalt, dass es keinen Spaß mehr machte.

Dieses Foto vom Zelt aufbauen, ist das letzte, was ich gemacht habe - bis wir wieder unten am Fuße des Berges waren. Denn jetzt begann die bisher kälteste und nässeste Nacht meines Lebens.
Das Zelt war binnen weniger Minuten gefüllt mit Wasser, so auch unser Schlafsack - und die Kleidung sowieso. Ich hatte keine Regenjacke .... und die trockene Kleidung, die ich sofort anzogen hatte, als ich im Zelt war, nun, die wurde dann auch naß sobald ich mich hinsetzte bzw. -legte. Und was sonst macht man zu viert in einem kleinen Zelt??? Von 18 Uhr an zitterten wir und hofften, dass es bald 3 bzw. 4 Uhr werden würde, damit wir unsere Wanderung fortsetzten konnten zum Gipfel. Mit Mülltüten versuchten wir tocken auf der Nässe zu sitzen.. klappte allerdings immer nur für wenige Minuten. Dann siegte die Stärke des Wassers, welches überall seinen Weg zu finden schien.
Je später es wurde, desto langesamer verging die Zeit und desto kälter wurde es. Trinka saß zumeist, wippte ihren Oberkörper hin und her, rieb ihre Hände aneinander. Ich dagegen war so dermaßen übermüdet, von der letzen schlaflosen Nacht, dass ich einschlief. Doch dadurch, dass mein Körper praktisch im Eiswasser lag und es draußen Temperaturen um die 3 Grad waren, wachte ich ständig vor Schmerzen auf. Alles tat weh - da alle Glieder am erfrieren zu sein schienen. Es war zum verzweifeln.
Ich beschloss nicht mit zum Gipfel zu gehen, da ich keine trockenen Klamotten hatte - und wie hätte ich mich in der Kälte dem Wind, dem regnerischen Sturm auf dem Gipfel aussetzten können? Freiwillig? Dann lieber im Zelt auf die anderen warten. Doch nein. Trinka kannte - Gott sei Dank - kein Erbarmen und als es endlich endlich 4 Uhr morgens war, organisierte sie von Verchie einen Windbreaker, den ich dann einfach über meine bis auf die Haut nassen Sachen zog. Zusätzlich band ich mir eine Mülltüte um die Hüften. Doch natürlich half alles nur bedingt und als sich unsere 18köpfige Truppe in Bewegung setzte, heulte ich leise vor mich hin... Mir war eiskalt und ich war total durchnässt und übermüdet und ich wusste, auf dem Gipfel würde es nur noch schlimmer. Der Weg dahin war aber auch nicht von schlechten Eltern: Da alles durchweicht war vom Regen liefen wir durch knöcheltiefe Maschtpfützen, rutschen aus, fielen der Länge nach hin...
Nach 2 Stunden erreichten wir die Spitze. Natürlich keine Aussicht. Nur ein peitschender Sturm. Ich hockte mich in eine Art Heidkraut, von dem ich mir Schutz erhoffte. Da ich verleichsweise recht fit zu sein schien, hatte ich mich nämlich bis zu den ersten der Truppe hervorgebarbeitet. Das war vielleicht ein Fehler, denn jetzt musste ich warten, bis der Rest eintraf und dann ging es los mit Gruppenfoto hier und Gruppenfoto da... warum? Ich glaube alle wollten nur eins: ins Trockene!
Insgesamt hat der Weg hin und zurück zum Zeltplatz 3 oder 3 1/2 Stunden gedauert. Trinka und ich waren am Ende und nahmen die Zügel in die Hand: Zelt abbauen und dann nichts wie weg. Doch das geht natürlich nicht in einer Gruppe! Da wird zusammen geblieben! Und zusammen gegessen! Und jetzt wird erst einmal gefrühstück! Hot Dogs. Ok - ich muss gestehen, die waren lecker! Und wir langten zittend zu. Immer noch peitschender Regen, während wir mit dem Essen im Freien standen... welches wir kaum umfassen konnten. Denn unsere Hände waren dick geschwollen und ließen sich kaum bewegen. Irgendwie schaffte ich es das Zelt abzubauen und dann den Abmarsch - der ersten kleinen Gruppe - zu forcieren. Wir müssen unbedingt hier weg - war mein einziger Gedanke. Den Gedanken wegzuwollen hatte bestimmt nicht nur ich, sondern mindestens auch die zwei Frauen, die von Helfern mit medizinischer Hilfe versorgt werden mussten und dann irgendwie den Berg heruntertransportiert wurden. Sie hatten nämlich Hypothermie - eine Unterkühlung des Körpers... Als ich das erfuhr, dachte ich, dass es vielleicht ganz gut war, dass ich rauf zum Gipfel bin, denn die Bewegung in der Kälte war bestimmt "gesünder" als das Sitzen / Liegen in der Kälte.

Nachmittags gegen 14 Uhr waren wir wieder da, wo unsere Wanderung angefangen hatte und obwohl das Wasser kalt war, wusch ich mich ausgiebig und zog meine trockenen Sachen an, die ich dort gelassen hatte: ein Kleid, Short und rote Kniestrümpfe. Trinka lieh mir ein T-Shirt und einen Schal und ich fing langsam an mich besser zu fühlen.
Zurück ging es wieder holpernd zu der Videostation, wo ein leckers Pastaessen für uns gekocht wurde. Dort hatte ich zu Beginn der Reise auch in weiser Vorahnung die graue Mütze gekauft - wie gut ich sie hatte gebrauchen können!!!!!



Rüttel Rüttel

Gestärkt und trocken waren dann auch wieder Fotos angesagt:

Und ab ging es auf den Heimweg.
Doch da es wieder Serpentinen um Serpentinen runter nach Baguio ging und sich mein Körper wohl doch noch nicht von den Strapazen erholt hatte, musste der Wagen eine halbe Stunde vor dem Ziel anhalten - damit ich kotzen konnte... Toll!
Als wir um 20 Uhr in Baguio ankamen, erfuhren wir, dass es erst um 3:30 einen Bus für uns zurück nach Manila geben würde! Oh nein! Auch aus dem Plan ein Zimmer für ein paar Stunden zu mieten wurde nichts, da es in der näheren Umgebung nur welche mit Wucherpreisen gab... also schliefen Trinka und ich kurzentschlossen auf dem Bahnhofsboden. Und zwar tief und fest. Ganze 5 Stunden! Und dann im Bus weiter. Bis nach Manila. Und als ich um 10 Uhr endlich wieder in der heimischen Hitze war - schlief ich auch weiter - bis 15 Uhr. Und dann kaufte ich lecker ein und aß eine heiße heiße Erbsensuppe auf meinem Balkon in der Sonne bei 32 Grad - und schlief weiter bis heute morgen, als es Zeit war zum Goethe zu gehen.
Und trotz des vielen Schlafes habe ich mich heute den ganzen Tag super schlapp gefühlt ... und freue mich gleich auf mein Bett!



Meine Kleidung konnte bereits auf dem Balkon schnell trocknen - und die Wäscherei freute sich heute Morgen über die dreckverkrusteten Sachen... sorry!!!!!

Ich habe Mt Pulag überlebt!!!!!

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