Mittwoch, 15. April 2009

Osterurlaub in 3 Teilen Teil 1 Caramoan Peninsula


Die Woche vor Ostern wird auf den Philippinen „holy week“ genannt und wird dazu genutzt mit der Familie zu verreisen. Auch ich machte mich Sonntagabend los:

im Deluxebus von „Penafrancia Tours“, auf bequemen Ledersitzen – oder eigentlich kann man sogar sagen: Ledersesseln so breit waren sie. Ich schlief bis Naga durch – eine Transitstadt für mich, die um 5 Uhr morgens angenehm nette Busfahrer, einen genialen Blick auf den Mt Isarog und süßen Nescafè zu bieten hatte.

Nach einem halbstündigen Aufenthalt ging es im weit weniger bequemen, dafür mit Hühnern und Hähnen, rauchenden Alten und – warum auch immer - aufgeregten Jugendlichen bestückten Bus weiter. Mein nächstes Transitziel war Sabang, eine Küstenstadt, doch ließ der Bus mich und die Jugendlichen nach einer 1 ½ stündigen Fahrt, an einer Kreuzung mitten in der Walachei – so schien es mir – raus und wir teilten uns zu sechst (!!!) ein Tricycle. Nach 20 Minuten, in denen die Kids alle - ihnen wichtige - Informationen (Familienstand, Kinderzahl, Grund meines Hier seins, Zukunftspläne, Urlaubspläne, UND natürlich „Warum reist du ALLEIN??“…) aus mir herausgepresst hatten, erreichten wir Sabang und da meine Antworten sie nicht abgeschreckt hatten, schleppten sie mich zu ihrem Familienoberhaupt, einer Frau, die fürs Schulministerium auf Caramoan Peninsula arbeitet. Sie gab ihren Segen und so wurde ich für die nächsten 4 Stunden im Riesenkreis der Familie aufgenommen. Das beinhaltete die 2 stündige Überfahrt, ein hausgemachtes Mittagessen und die Vermittlung eines Zimmers im Haus einer Kollegin – denn die 4 Hotels, die es in „Centro“ gibt, waren aufgrund der momentanen Hochsaison ausgebucht.

Doch ich möchte euch ein kleines Abenteuer nicht vorenthalten, welches sich der Tricyclefahrt anschloss: um aufs Boot zu gelangen, musste man auf die Schulter eines Mannes steigen, der einen für 10 Pesos zum Boot trug! Das war ein Spaß!



Um 12 Uhr mittags, also nach fast 17 Stunden, war ich endlich am Ziel meiner Reise angekommen: in einem Zimmer in Centro, DER Stadt auf Caramoan. Aber was sage ich… Stadt??? Das ist wohl ein bisschen übertrieben.



Zwar hatte mich der Reiseführer vorgewarnt, dass diese Region eine kaum besuchte Gegend sei, aber soooo … romantisch-dörflich … hatte ich mir das dann doch nicht vorgestellt.



Kein Internetcafè, kein Supermarkt, keine Touristeninfo… als ich nach einer Dusche die Stadt zu erkunden versuchte, kam es mir so vor, als wenn es hier nichts anderes als eine staubige heiße Straße, eine Kirche, ein paar kleine Hütten und Steinhäuser geben würde.



Es war unglaublich heiß und so kühlte ich mich im einzigen „Restaurant“ (einer nach zwei Seiten offenen Hütte) – „Bed and Dine“ – mit einem 1A Green Mangoshake ab… mhhh…masarap talaga (= wirklich lecker!)

Zuvor hatte ich ein paar Ausländer getroffen und hatte erfahren, dass sie zur Filmcrew von „Survivor“ (Israel) – so eine Show, glaub ich, wie „Holt mich hier raus - ich bin ein Star“, gehörten. Deshalb sei der populärste Strand, der Gota beach für die Öffentlichkeit gesperrt. Toll.

Doch, die Philippinen bestehen aus über 7000 Inseln – da wird sich wohl ein kleiner weißer Strand für mich finden!

Am nächsten Tag fuhr mich der Hausherr auf seinem Motorrad 15/20 Minuten (natürlich ohne Helm…) durch eine wundervolle Landschaft und half mir ein Boot mit zwei „Kapitänen“ für den Tag zu mieten.




Ich hatte einen wunderbaren Tag. Ich hatte genau das, weshalb ich die lange Reise auf mich genommen hatte:



türkises Wasser zum Schnorcheln, weißer Sand, Schatten spendende Palmen und Sträucher, Sonne, die Geräusche der Natur und der Wind auf meiner Haut.



Urlaub!



Zwei Stopps beinhalteten allerdings etwas anderes: einmal landeten wir auf einer Insel, die die Filmcrew von „Survivor“ mitgepachtet hatte – also ein verbotener Strand… Wir gingen vor Anker und der Strand war ganz einsam… bis auf diesen gutaussehenden Typen… und dann war es wie in einem Film:

der Typ kommt auf mich zu, während ich nervös aus dem Boot krabbelte und ans Ufer watete… er – braungebrannt, durchtrainiert, Sonnenbrille, lässiges sexy outfit, öffnete sich eine eiskalte (die Dose war beschlagen) Coladose und ich musste mit einem Grinsen an die Colalight Werbung im deutschen Fernsehen denken „want a coke?“ – mhhhh nein… ;-)

wir kamen ins Gespräch und plötzlich tauchten noch 3, 4 andere Israelis auf, liefen an mir mit „Hi“ vorbei und bauten Kamera und anderen Schnickschnack an einer Felswand auf. Plötzlich scheint ein magerer aber tiefgebräunter Tarzan vor mir zu stehen, und fragt, woher ich komme, ob ich 25 sei und dann ob ich einen Teint bekommen wolle. - Na klar! Deshalb sei ich ja schließlich hier! - Dann könne ich später mit ihm mitkommen, sie würden einen Porno drehen. Hah ha sehr lustig!

Im Laufe der nächsten Minuten wurde mir klar, dass es einer der richtigen Survivor war, denn er musste sich vor die Kamera setzten und ein Statement abgeben (wahrscheinlich so nach dem Motto: Ja, der Tag gestern war scheiße, ich musste Kakerlaken für mein Team essen und ich habs nicht geschafft…). Das hörte ich dann aber nicht mehr (und wenn es auf Hebrew gewesen ist. hätte ich es ja eh nicht verstanden), denn ein Typ, den ich den Tag zuvor in Centro kennengelernt hatte, tauchte auf, und erlaubt Raphael – so heißt der Colatyp – mir DEN See zu zeigen. Nach einem kurzen Gang durchs Gebüsch kam ich zu einer Art Lagune mit einem Süßwassersee, der Tayak Lake…wunderschön! Leider musste ich Störenfried dann auch schon wieder gehen, um die Dreharbeiten nicht weiter zu stören… schade.. ;-(

Beim zweiten etwas anderen Halt auf meiner Islandhoppingtour war ICH der (Survivor-)Star, da mich meine beiden Kapitäne an einem Strand rausließen, der weniger zum Baden geeignet war, als dazu „die Weiße“ zu bestaunen. Ich versuchte das beste draus zu machen.



Die 100 auf mich gerichteten Augen versuchte ich zu ignorieren, indem ich mich mit den Kindern begeckte…und eine Kokosnuss aß.



Am Mittwoch fuhr ich mit dem Ehemann meiner Gastfamilie eine kleine Weile auf einer sehr sehr schlechten Straße zu einer riesigen Marienfigur, die zum Schutz gegen Taifune auf der höchsten Bergkuppe der Gegend steht.



Fast 600 Stufen muss man erklimmen, um sie aus der Nähe zu betrachten. Wunderschön!


Danach fuhr er mich wieder zur Bootsanlegestelle und meine beiden Kapitäne fuhren mich zur Insel Matukad, wo ich die nächsten 5 Stunden mit Schnorcheln und Sonnen verbrachte.

Abends ging ich mit den beiden Töchtern die Hauptstrasse auf und ab. Dabei wurde ihnen bewusst, wie sehr ich / wir angeglotzt wurden. Wir warteten auf den Start der Prozession.



Zu dieser kamen die Leute aus der ganzen Gegend und die Geschichte der Leiden Christi wurde in Form verschiedener Skulpturen, die die jeweiligen Leidensstationen abbildeten, durch den Ort getragen. Auch meine Familie hatte eine Skulpur, die extra für die Prozession von ihrer Plastikhülle befreit und aus dem Wohnzimmer entfernt wurde, damit sie durch den Ort getragen werden konnte.



Ich muss gestehen, als ich den Montag den Raum mit der Figur betrat, dachte ich im ersten Augenblick das da ein nackter Mann liegen würde… und trat einen Schritt zurück… ha ha…



Am letzen – vollen – Tag in Caramoan wurde ich eingeladen mit an einen privaten Strand zu kommen, der dem Vater einer befreundeten Ärztin gehört.



2 Familien mit Kindern waren schon dort, um über Ostern sich zu entspannen und die wollte man besuchen. Insgesamt waren wir fast 2 Stunden mit Tricycle und Boot unterwegs … und leider hatte sich der Ausflug für mich nicht so gelohnt. Zwar war die Umgebung sehr sehr schön. Ganz einsam, aber mit einer Hütte und es wurde gekocht und so



… aber NICHT GESCHWOMMEN!!!! Ich fragte meine „Gastfamilie“ ob sie denn nicht schwimmen wolle und sie antworteten „nein – noch nicht, es ist zu heiß“. WAAAS? Weshalb sind wir denn dann hier? Am Strand ?

Leider war die Athmospäre für mich als einzige Weiße nicht so angenehm.

Besonders die Männer waren anfangs immer an mir dran, warum ich denn nicht schwimmen wolle und ob es nicht heiß sei (JAAAAA – verdammt heiß!). Aber, wenn von denen keiner schwimmt – dann wollte ich nicht anfangen mich im Bikini zu zeigen. Sowieso stand meine Andersartigkeit schon im – visuellen – Mittelpunkt. Schade! Nach einigen Stunden, in denen ich mein Buch zu Ende gelesen hatte, ging es wieder zurück…

Wieder zu Hause wollte ich mich in meinem Zimmer ausruhen und die Klimaanlage voll aufdrehen – doch wie so oft schon in den letzten Tagen vorgekommen: Stromausfall. Und das konnte Stunden dauern (Dienstag: kein Strom von 9 bis 4 z. B. ). Als die Hitze im Zimmer immer unerträglicher wurde, ging ich mich im „Bed und Dine“ mit einem Bier abkühlen.

Eigentlich ein netter verschlafener Ort!

Als ich wieder kam, füllte mich die Familie zum Abschied kräftig mit „Red Horse“ – einem etwas stärkerem Bier - ab und wir schmiedeten gemeinsam Pläne, wie sie ihre Haushaltskasse aufbessern könnten, wenn sie öfter Backpacker bei sich aufnehmen würden.

Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg Uta in Legaspi zu treffen. Die Distanz ist Minimal – aber ich brauchte 8 1/2 Stunden und 6 verschiedene Verkehrsmittel. Doch dazu mehr in Teil 2!


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